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Sattel

 

 

 

 

 

 

 

 

 

ZAMIRAH - die Verwandlung eines Freizeitpferds in ein Bogenreitpferd

Zamirah
Vollblut-Araber
Stute
geb. 2001

Zweimal erst habe ich mit Zamirah gespielt und schon ist sie mein achtes Lieblingspferd - gemeinsam mit den sieben anderen. Vom Pony über die Friesenstute, vom ungarischen Warmblut zur 23-jährigen Shagya-Stute - sie alle haben so viel liebenswerte Individualität, die sie bereitwillig zeigen, wenn du ihren Ausdruck lesen kannst. Gleich, welche Rasse, Alter oder Temperament, sie alle sind Bogenreitpferde oder werden es bald sein.

Zamirah ist unser jüngster Zugang. Erst vor wenigen Wochen kam sie auf die Koppel und bekam erst einmal genug Zeit, sich an ihre neue Umgebung und ihre neue Herde zu gewöhnen. Neugierig war sie von Anfang an, was ihr einige Narben von den Alteingesessenen einbrachte, die meinten, noch einen Esser würden die Heuraufen nicht vertragen. Inzwischen tischen sie gemeinsam und Zamirah teilt durchaus mit, wenn ihr ein anderes Pferd zu nahe tritt.

Damit schien die Zeit gekommen zu sein, mit ihr mehr zu machen als füttern, putzen und spazieren gehen. Bei all diesen Gelegenheiten hatte sie ihr charmantes Wesen erkennen lassen, was die Erwartung an die ersten Spielsessions natürlich steigerte.

Am Anfang der ersten Session stand Nichtstun. Ich war neugierig auf ihre Reaktion, wenn sie merkte, dass ich nichts von ihr wollte. Es irritierte sie überhaupt nicht. Nachdem sie den Reitplatz begutachtet hatte, entschied sie, es wäre eine gute Gelegenheit, sich ausgiebig zu wälzen. Eitel Wonne!

Auch ein Friendly Game! Da ich von den Vollblütern weiss, wie leicht man sie hysterisch machen kann, schaltete ich meinen Ehrgeiz, schnell weiterzukommen, auf Null und brachte ihr sehr schonend bei, welch harmloser Typ ich bin, auch wenn ich sie mit dem peitschenähnlichen Gerät überall berühre. Auch in der Bewegung! Das erfordert von "konventionell" trainierten und longierten Pferden ein gewaltiges Umdenken: Der Stick treibt mich nicht vorwärts, sondern streichelt mich.

Das Squeeze-Game mit Monstern (in diesem Fall Fahnen) eignet sich hervorragend dazu, die Beziehung zwischen Pferd und Mensch zu testen und zu verbessern. Zamirah geht zwischen mir und den Fahnen durch, um danach zu wenden und zu warten ("turn, face and wait"). Sobald ich merke, dass die Fahnen wichtiger werden als ich - weil sie sich davor fürchtet - ziehe ich mich und uns davor zurück. Zamirah allerdings denkt nicht daran, den Fahnen irgendeine Bedeutung zuzumessen. Nur einmal, als sie auf eine Fahne tritt und sich in sie einwickelt, ist sie eiligst bemüht, den Stofffetzen wieder loszuwerden. Ansonsten sind ihr die Dinger egal, aber ich nicht. So soll es sein.

Diese Aufmerksamkeit und Selbstsicherheit nehme ich als Einladung zum Reiten. Davor steht noch das Aufsitzen. Zamirah lässt sich nicht aus der Ruhe bringen, als ich am Sattel herumzerre, um sie aus dem Gleichgewicht zu bringen. Das einzige Spiel, bei dem es die richtige Entscheidung des Pferdes ist, nicht zu weichen.

Im Sattel der erste Sicherheitscheck: Gibt sie wie am Boden den Kopf leicht und willig her? Kann die Hinterhand aus der lateralen Biegung weichen, um die Energie rauszunehmen und zu stoppen? Das ist natürlich die Antwort auf die Frage, ob die Stute den Reiter im Sattel genau so ernst nimmt, als wenn er auf dem Boden mit ihr spielt.

Auch hier verhält sie sich so entgegenkommend, dass wir gleich weiterspielen. Übergänge nach oben und unten: Halt, Schritt, Trab, Rückwärts offeriert sie bereitwillig. Sie scheint zufrieden, jemand gefunden zu haben, der ihr sagt, wo´s langgeht und wie schnell. Der lange Zügel und der gute Sattel erlauben ihr, sich zu strecken und rund zu machen, was den Trab zu einer sehr ruhigen, rhythmischen Sache macht.

 

 


Auch den Galopp bietet sie auf die leiseste Frage an. Dermassen bei der Sache geht sie auch liebend gerne über den kleinen Sprung.

Fazit der Reiterei:

Ein überschäumender Anfänger wird es sicher -wie am Boden - leicht haben, sie zu überfordern und Widerstand zu provozieren. Mit der richtigen Vorbereitung des Menschen wird sie trotz ihrer hohen Energie ein verlässlicher Partner sein.

 

 

 

Gleichmütig, aber nicht gleichgültig akzeptiert sie auch Pfeil und Bogen. Wieder ein Friendly Game, das geht schon in die Richtung des Friendly Game Extreme, wenn die Bogensehne zischt, der Pfeil in den Hang schlägt und der Sehnenarm im Release nach hinten peitscht.

Auch nur eine Verständnisfrage. Schnell hat sie begriffen, dass ich nicht sie meine, wenn ich meinen Fokus auf den Bogen richte.

 

Resümee der ersten Sessions: Was immer der letzte Mensch dieses Pferdes mit ihm gemacht hat, eines hat er geschafft: Dem Pferd das Selbstvertrauen und die Offenheit, die Neugierde und Spieltrieb zu bewahren. Mit dieser Basis und der richtigen Strategie ergibt sich alles Weitere von alleine.

Die Sieben Spiele in den vier Savvys werden die Kommunikation immer weiter verfeinern, die Patterns werden diese Spiele mit einem Zweck verbinden. Dazu bald mehr...

Fortsetzung folgt...

Exkurs: Horsenality - die Pferdepersönlichkeit

Das Horsenality-Modell der Parelli-Schule dient zur Unterscheidung der psychischen Grundhaltung des Pferdes und ihres Ausdrucks.

Ein Pferd ist zu einem bestimmten Zeitpunkt entweder mehr auf der instinktiven Seite seines Wesens (Right Brain, rechte Hirnhälfte) oder auf der mehr verstandesmäßigen Seite (Left Brain, linke Hirnhälfte). Diese Stellung äußert sich entweder eher durch nach innen gerichtetes Verhalten (introvertiert) oder sie richtet sich eher nach außen (extravertiert). Je nach Stellung und Haltung hat das Pferd verschiedene Bedürfnisse, um den Rapport (die Synchronisation) mit dem Menschen herstellen zu können. Wenn es sich auf der instinktiven Seite seines Wesens befindet, kann es nicht lernen - weil es nicht denken kann. Kurz und prägnant zusammengefasst:

Wenn dein Pferd denken muss, bevor es sich bewegen kann, musst du ihm die Zeit zum Denken geben (introvertiert). Wenn es sich bewegen muss, bevor es denken kann, musst du seine Aktivität unterstützen (extravertiert). Wenn dein Pferd unsicher ist, darfst du es nicht dazu treiben, etwas zu tun. Egal, wie freundlich du es machst, es ist Stress. Und wenn es selbstsicher ist, dann ist Zögerlichkeit und ewige Wiederholung frustrierend und abstumpfend für es.

(Linda Parelli)

 

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